Wormser Zeitung: EWR beschließt Verkauf des "Gleisdreiecks"

Der EWR-Aufsichtsrat hat beschlossen, das „Gleisdreieck“ an die Entwicklungsgesellschaft Rheinhessen zu verkaufen. Wer in Rheindürkheim bauen will, darf nun auf Bauland hoffen. (Foto: VRM)
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Wer in Rheindürkheim bauen will, darf auf neues Bauland hoffen. Der EWR-Aufsichtsrat hat beschlossen, das Gelände an der B 9 und den angrenzenden Sportplatz an die Entwicklungsgesellschaft Rheinhessen zu verkaufen.

RHEINDÜRKHEIM - Bürger, die gerne in Rheindürkheim bauen möchten, dies bislang aber nicht konnten, weil es ganz einfach an Bauland mangelt, dürfen hoffen. Der Aufsichtsrat von EWR hat vor Weihnachten beschlossen, das dem Unternehmen gehörende Gelände entlang der B 9, das sogenannte „Gleisdreieck“, an die Entwicklungsgesellschaft Rheinhessen (EG) zu verkaufen. „Es fehlt jetzt nur noch die schriftliche Zustimmung der Aufsichtsratsmitglieder, aber ich gehe davon aus, dass das Votum sehr wahrscheinlich einmütig ausfallen wird“, bestätigte Vorstandsmitglied Stephan Wilhelm auf Nachfrage der WZ.

Mit der EG habe man bereits Vorgespräche geführt und von dort eindeutige Signale erhalten. Auch bei der noch abschließend auszuhandelnden Verkaufssumme habe man sich bereits so weit angenähert, dass Wilhelm fest davon ausgeht, dass man am Ende handelseinig werde. Mit gekauft werden müssen allerdings die Gleisanlagen, die schon lange stillgelegt sind, aber immer noch der Deutschen Bahn gehören. „Trotz allem gehe ich davon aus, dass wir den Verkaufsvertrag im ersten Quartal des kommenden Jahres unterschreiben können“, schätzt Wilhelm.

Bislang war ein großes Hindernis gewesen, dass die Deutsche Bahn zwar durchaus bereit war, die ungenutzten, durch den Acker verlaufenden Gleise zu verkaufen, allerdings nur im „Doppelpack“ mit dem Gelände der einstigen Rübenverladestation im Ortsinneren direkt neben dem früheren Bahnhofsgebäude.

Dieses Areal zwischen Donau- und Harpener Straße ist rund 20 000 Quadratmeter groß, wäre im Prinzip also durchaus interessant, um darauf auch Wohnbebauung zu ermöglichen. Weil aber seit Jahren niemand mehr Bäume und Sträucher zurückgeschnitten hat, ist dort soviel Grün gewachsen und leben auf dem Grundstück mittlerweile so viele Kleintiere, dass Naturschutzbehörde und Umweltamt größte Bedenken gegen eine Bebauung angemeldet haben.

An dieser Einschätzung habe sich aktuell auch wenig geändert. „Aber es ist mittlerweile geprüft, dass sich das eigentliche Gleisdreieck, zu dem noch das sich bis zum Rhein ziehende Sportplatzgelände gehört, auch ohne diese Fläche mit Gewinn vermarkten lässt“, erläutert der EWR-Vorstand. Wenn das genannte Areal verkauft ist, muss die Erschließungsgesellschaft an die Stadt herantreten mit dem Ziel, einen Bebauungsplan aufzustellen. Angedacht war, dies für das Gleisdreieck zu machen, für das Sportplatzgelände jedoch eine Bebauung nach Paragraf 34 Baugesetzbuch zu ermöglichen.

In diesem Fall müssten sich die neuen Häuser Richtung Rhein lediglich nach Art und Umfang in die Umgebung einfügen. Da es in der Vergangenheit jedoch in vielen Stadtteilen große Streitereien wegen dieses Paragrafen gegeben hat, bleibt abzuwarten, wie sich die Bauverwaltung zu diesem Problem stellen wird.

Denkbar sei, so Wilhelm weiter, dass im Gleisdreieck später einmal entlang der viel befahrenen B 9 mehrgeschossige Wohnblöcke gebaut werden, die selbst Lärmschutz benötigen, aber ihrerseits wieder als Lärmschutzriegel für dahinter liegende Gebäude dienen könnten. Ähnliches ist auch bei der Erweiterung der Lüssen-Siedlung in Neuhausen angedacht. Auf dem Sportplatzgelände wiederum sei höherwertige Bebauung vorstellbar. Neben neuen Bauplätzen war es dem Ortsbeirat in der Vergangenheit stets ein Anliegen, auch Betreuungsmöglichkeiten für ältere Bürger zu schaffen, eventuell einen Supermarkt anzusiedeln und Kita-Plätze mitzudenken.

EWR wird sich übrigens nicht ganz vom Gleisdreieck verabschieden, denn der Energieversorger ist einer der Anteilseigner der EG, zusammen mit der Volksbank Worms-Wonnegau, den Sparkassen Worms und Mainz, den Stadtwerken Mainz sowie der Timbra Group des Wormser Geschäftsmannes und Investors Tim Brauer.

 

Von Roland Keth