Wormser Zeitung: Endlich geht’s voran mit dem Gleisdreieck in Rheindürkheim

Jahrelang hat der Ortsbeirat um das Neubaugebiet gekämpft, jetzt endlich soll der Bebauungsplan aufgestellt werden. Es sind allerdings noch etliche offene Fragen zu klären. (Archivfoto: pa/Andreas Stumpf)
Archivfoto: pa/Andreas Stumpf

Das „Gleisdreieck“ liegt auf einem großen Ackergrundstück direkt an der B 9. Die Gleise gehören der Bahn, das Gelände gehört dem EWR. Der Energieversorger wird das Gebiet an die Entwicklungsgesellschaft Rheinhessen verkaufen.

RHEINDÜRKHEIM - Es geht voran mit der Schaffung von neuem Wohnraum in Worms: Anfang Februar hat der Stadtrat den Bebauungsplan für die Erweiterung der Lüssen-Siedlung auf den Weg gebracht. Am heutigen Mittwoch will der Bauausschuss über das nächste Neubaugebiet beraten, über das „Gleisdreieck“ in Rheindürkheim. Hier wie dort soll darauf geachtet werden, dass jeweils 25 Prozent Sozialwohnungen entstehen. Beide Flächen sind etwa fünf Hektar groß.

Alte Gleisanlagen müssen mitgekauft werden

Das „Gleisdreieck“ liegt auf einem großen Ackergrundstück direkt an der B 9 (Sommerdamm), schräg gegenüber liegt das Netto-Zentrallager. Zur Bundesstraße hin sollen ähnlich wie bei der Lüssen-Erweiterung Wohnblöcke entstehen, die durch eine Lärmschutzwand abgeschirmt werden sollen. Richtung Rhein folgt dann kleinteiligere Bebauung. Momentan durchziehen das Gebiet noch Bahngleise, die längst stillgelegt sind, aber immer noch der Bahn gehören. Das Gelände gehört dem EWR, der Energieversorger wird das Gebiet an die Entwicklungsgesellschaft Rheinhessen verkaufen. Die wiederum muss zur sinnvollen Erschließung des Neubaugebietes die alten Gleisanlagen kaufen, zu denen auch die ehemalige Rübenverladestation am alten Bahnhof im Ortsinneren gehört. Ursprünglich sollte auch dieses 20 000 Quadratmeter große Grundstück bebaut werden. Da dort wegen versäumter Grünschnitt- und Pflegearbeiten Sträucher und Bäume allerdings derart gewachsen sind, ist momentan noch fraglich, ob dort überhaupt noch gebaut werden darf. „Diese Frage ist zwar immer noch nicht abschließend geklärt“, erläuterte OB Adolf Kessel auf Nachfrage. „Im Gegensatz zu früher ist das Gesamtprojekt dadurch jetzt aber nicht mehr gefährdet.“ Man werde anschließend untersuchen, ob hier doch noch eine Wohnbebauung oder die Errichtung einer Kita machbar sei. Der Grünzug entlang der Donaustraße soll auf jeden Fall erhalten bleiben.

Klar wiederum ist, dass der ebenfalls dem EWR gehörende, ans Gleisdreieck angrenzende Schulsportplatz mit bebaut wird. Nach derzeitigen Überlegungen ist das Sportplatzareal nicht Teil des über einen Bebauungsplan gefassten Gleisdreiecks. Bauvorhaben sollen dort nach dem andernorts heftig umstrittenen Paragrafen 34 des Baugesetzbuchs genehmigt werden. Das heißt, die geplanten Gebäude müssen sich lediglich „nach Art und Maß der baulichen Nutzung, der Bauweise und der Grundstücksfläche, die überbaut werden soll, in die Eigenart der näheren Umgebung einfügen“.

Die Anwendung von Paragraf 34 hat laut Einschätzung von Adolf Kessel den Vorteil, dass schneller gebaut werden kann als im eigentlichen Gleisdreieck, wo es bis zu zwei Jahren dauern könnte, bis das Bebauungsplanverfahren abgeschlossen ist. „Dieser Paragraf kann aber nur angewendet werden, wenn das Sportplatzgelände über eine Privatstraße zu erschließen ist. Geht das nicht, müssen wir auch hier einen Bebauungsplan aufstellen“, ergänzt der Stadtchef. Ebenfalls noch geklärt werden müsse, dass die Grundschule eine Ersatzfläche erhalte für Sportunterricht im Freien. Die am Rhein gelegene Sportplatzfläche ist von der Lage her wesentlich attraktiver als das eigentliche Gleisdreieck. Auf diesen „Filetstücken“ lässt sich hochwertig bauen, entsprechend mehr werden die Grundstücke am Ende dort auch kosten.

Der EWR-Aufsichtsrat hatte bereits vor Weihnachten beschlossen, Gleisdreieck, Sportplatz und das innerörtliche Grundstück an die Entwicklungsgesellschaft Rheinhessen zu verkaufen. Das fiel EWR insofern leicht, da der Energieversorger selbst Anteilseigner ist, zusammen mit der Volksbank Worms-Wonnegau, den Sparkassen Worms und Mainz, den Stadtwerken Mainz sowie der Timbra Group des Wormser Geschäftsmanns und Investors Tim Brauer.

Ortsbeirat hat jahrelang um Gleisdreieck gekämpft

Der Rheindürkheimer Ortsbeirat hat jahrelang um das neue Wohngebiet gekämpft. Bei den Fraktionen dürfte die Freude deshalb groß sein über die sich abzeichnende Entwicklung. Im weiteren Verlauf muss dann noch geklärt werden, ob sich weitergehende Wünsche des Ortsbeirates verwirklichen lassen. Das Stadtteilparlament hatte angeregt, im Gleisdreieck Betreuungsmöglichkeiten für Senioren zu schaffen und zu prüfen, ob auch ein Supermarkt angesiedelt werden könnte.

Von Roland Keth